#1

Portrait - Das Monatsthema Juli 2009 - Theorie

in Monatsthemen der vergangenen Jahre plus beliebte Themen 02.07.2009 13:42
von Sumy (gelöscht)
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hier soll es um die theoretischen Grundlagen zum Monatsthema gehen. Es würde mich freuen wenn sich viele aktiv daran beteidigen.

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#2

RE: Portrait - Das Monatsthema Juli 2009 - Theorie

in Monatsthemen der vergangenen Jahre plus beliebte Themen 02.07.2009 13:42
von Sumy (gelöscht)
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puh da haben wir uns ja ein Thema herausgesucht. Portrait, aber was ist das überhaupt und was macht die Erstellung eines Portais so schwierig:

Vieleicht können wir uns hier gemeinsame Grunglagen aneigenen und diese dann in unsere Kommentare und Bilder mit einfliessen lassen.

Sicher hat jeder etwas im Kopf was ein Portrait ist, sowas ähnliches wie ein Paßbild werdet ihr sicher denken,aber sicher? Fragen wir doch einmal was Tante Wiki dazu meint:

In Antwort auf:
Ein Porträt (auch Portrait; v. frz. portrait) ist ein Gemälde, eine Fotografie, eine Plastik oder eine andere künstlerische Darstellung einer oder mehrerer Personen. Die Absicht eines Porträts ist, neben der Darstellung körperlicher Ähnlichkeit auch das Wesen, bzw. die Persönlichkeit der porträtierten Person zum Ausdruck zu bringen. Daher zeigt das Porträt typischerweise das Gesicht der Person.

http://de.wikipedia.org/wiki/Porträt

Aha, verstanden? Es geht also nicht um die Darstellung einer Person sondern um die Darstellung der Persönlichkeit einer Person.

Tja und hier ist genau das Problem bei den Portaits, die Persönlichkeit darstellen, aber was ist dies und wie kann man das nun in ein Bild bannen? Ein Rezept dafür gibt es nicht.
Wie kann man sich der Persönlichkeit eines Menschen überhaupt annähern, ganz erfassen wird man sie eh nicht können.
Zum ersten muß die zu portraitierende Person sicher einem vertraut sein.
In welchem sozialem Umfeld lebt diese Person?
Ist sie religiös, politisch aktiv ein Karrieretyp oder eher ein Familienmensch?
Ist sie eher fröhlich oder traurig, ernst, lebensfroh oder mehr in sich gekehrt?
Dies sind sicher nur einige Fragen mit denen man sich jemandem annähern kann um sich ein Bild und später ein Bild von der Person machen. Nun gilt es dies Wesenszüge die wir entdeckt haben im Bild umzusetzen.

Als Beispiel will ich hier einmal mein Bild analysieren was man eventuell da rauslesen könnte als Wesenszüge.
Zum einen ist sie recht offenherzig, zeigt was sie hat, vieleicht auch kann. Vieleicht schreibt sie gerne Tutorials oder läst sich in Theorie-Threads aus. Diese Wesenzüge lassen sie warmherzig wirken. Das Licht ist gleichmäßig verteilt und unterstreicht durch den Farbton diese Sanftheit.
Aber sieht sie wirklich entspannt aus? Nein ich glaube nicht. Hier hätte sie die Hände sicher auf die Brüste gelegt und verkrampft nach oben gehalten, fast schon ein wenig abwehrend.
Die Hände führen uns im Bild nun auch weiter nach Oben. Hier wirkt das Bild auf einmal ganz anders, harte Schatten machen die eine Hälfte des Gesichtes unkenntlich, dazu der Hut der tief ins Gesicht gezogen ist. Sie scheint sich zu schützen will sich verbergen vor den neugierigen Blicken die auf ihr lasten. Maskiert um nicht erkannt zu werden wer sie im RL vieleicht wirklich ist.
Auch die Farbe des Lichtes hat gewechselt. Das warme Rot ist einem fahlen Grün gewichen. Ein wenig Aroganz umspiegelt ihre Lippen die regungslos, emotionslos wirken. Wie es in ihr drinnen aussieht könten uns die Augen verraten, aber die sind ja verborgen.
So, das war sicher anstrengend und auch nur eine Interpretation des Bildes. Sicher deutet ihr die Bildelemente ein wenig anders, hier hat jeder seine eigene Bildersprache.

In der Fotografie wird die sache noch viel kompizierter. Hie kommt neben der Vertrautheit noch das Vertrauen hinzu. Stellt euch vor jemand unbekanntes hält euch eine Kammera vor das Gesicht und sagt "halt mal still ich mache ein Bild von dir" , das wird sicher nichts.
Vertrauen hat auch etwas mit Vertrautheit zu tun. Die zu portraitierende Person wird sich sicher in ihrer eigenen Wohnung behaglicher fühlen, offener sein als an einem fremden Ort. Ist es nicht möglich so helfen vertraute Gegenstände, Requisiten an die diese Person eine Bindung hat.
Ich kann ja mal ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern: Früher habe ich für Freunde oft Bilder gemacht. Im Vorfeld hatte ich sie gebeten ein paar Dinge mitzubringen, egal was "mal sehen was wir daraus machen". So nun war die Stunde angebrochen an der es galt ein Bild zu machen. "Last euch aber Zeit, Bilder brauchen Zeit" hatte ich immer gesagt. Mein Wohnzimmer war zum Studio umgebaut und alles war fürchterlich spannend. "Oh Gott da werde ich gleich stehen" waren sicher die Gedanken. Aber nö es ging noch nicht gleich los. "Zeig mal was du mitgebracht hast, bin doch neugierig und will mir ein paar Gedanken machen wie wir das einsetzen können, ach übrigens ich hatte grad einen Wein aufgemacht, darf ich dir auch ein Glass anbieten?"
Leise untermalende Musik lief schon, wir sassen im Studio, und ich machte mich mit den persönlichen Sachen die mitgebracht wurden vertraut, ich durfte sie berühren. Ihr merkt schon die hinterlistige Sumy hat hier in die psychologische Trickkiste gegriffen. Der fremdartige Ort wurde vertrauter und Sumy drang lamsam in die Privatsphäre vor die sie auch anschließend mit der Kammera einfangen wollte.
Ich habe immer nur Bilder gemacht, die auch gewünscht waren. Hier und da habe ich dann eine Pose korigiert das war es dann aber auch schon. Alle Negative habe ich dann überreicht (war auch vorher abgemacht) und es kamen super Bilder dabei rum.
Ach so noch ein kleiner (gemeiner) Trick: Macht immer zwei Bilder hintereinander "zur Sicherheit". Beim ersten Bild ist die Person noch angespannt. Diese Anspannung löst sich aber wenn es klick gemacht hat. Dann schnell das zweite hinterher.

Der Post wird lange merke ich schon, aber gleich haben wir es.
Wiki schreibt noch etwas über die Klassifizierung von Portraits nach Bildausschnitt und Kopfhaltung, vieleicht fällt auch ja noch etwas dazu ein.

zuletzt bearbeitet 02.07.2009 14:02 | nach oben springen

#3

RE: Portrait - Das Monatsthema Juli 2009 - Theorie

in Monatsthemen der vergangenen Jahre plus beliebte Themen 02.07.2009 17:30
von Sumy (gelöscht)
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Das Wesen des Menschen bei der Aufnahme sichtbar zu machen, ist die höchste Kunst der Fotografie.
Friedrich Dürrenmatt

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#4

RE: Portrait - Das Monatsthema Juli 2009 - Theorie

in Monatsthemen der vergangenen Jahre plus beliebte Themen 05.07.2009 11:01
von Claro Laval | 650 Beiträge

Zitat von Sumy
Das Wesen des Menschen bei der Aufnahme sichtbar zu machen, ist die höchste Kunst der Fotografie.
Friedrich Dürrenmatt


Hmmm... Ein Foto is doch eine Momentaufnahme. In dem Moment wo es aufgenommen wird, isses schon wieder Vergangenheit. Ein Foto ist de facto das Abbild eines vergangenen Ereignisses. Jetz meine Frage. Wie kann das Portrait einer Person dessen Wesen sichtbar machen, wenn die Person zum Zeitpunkt des Fotografierens bereits aus ihrer eigenen Vergangenheit geprägt ist? Ich glaube, dass Dürrenmatts Aussage zwar philosophisch was hermacht, aber kaum als "Leitfaden" für gute Portraitfotos taugt.

Das Wesen des Menschen besteht aus mehr als aus einer Momentaufnahme.


" And as we wind on down the road, our shadows grow taller than our souls."
Robert Plant

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#5

RE: Portrait - Das Monatsthema Juli 2009 - Theorie

in Monatsthemen der vergangenen Jahre plus beliebte Themen 05.07.2009 11:31
von Sumy (gelöscht)
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Ja es sind mehr als nur Momentaufnahmen.
Sumy ist z.B. eine Diva und Zicke (oder sowas). Das war sie Gestern, ist sie Heute und wird sie auch wahrscheinlich Morgen sein auch wenn sie Morgen ein anderes Kleid trägt und einen anderen Lippenstift aufgelegt hat.
bei der Aufnahme bezieht sich da meiner Meinung nach nicht auf den exakten Zeitpunkt der Aufnahme sondern eher mehr auf das Aufnehmen/Bild erstellen.
Wichtig demnach wäre bei einem Bild von mir nicht welches Kleid ich anhabe und welcher Lippenstift aufgetragen ist sondern eher, dass zu erkennen ist, dass ich eine Diva und Zicke bin.
Das Wesen und die Persönlichkeit ist dabei durchaus von der Vergangenheit geprägt.

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#6

RE: Portrait - Das Monatsthema Juli 2009 - Theorie

in Monatsthemen der vergangenen Jahre plus beliebte Themen 05.07.2009 11:48
von Beauty Miles | 5.681 Beiträge

Na sie ist nicht nur ne Zicke und vielleicht auch Diva sondern auch eine, die anderen die Theorie gut rüberbringen kann ( ob die es wollen oder nicht )

Find ich sehr beeindruckend was du da zusammengestellt hast.
Kann man eigentlich kaum noch was dazu sagen.
Jedenfalls ist es manchmal schon ganz aufregend hinter die scheinbar einfache Fassade der Dinge zu steigen.
Und wenn du uns dazu anregst Sumy, dann tust du wirklich ein gutes Werk.

Auf theoretische Diskussionen werd ich mich jetzt trotzdem nicht einlassen
(Grund: Sonntag, Sonne, Faulenzeria.....)


Ob hier oder an nem andren Ort -
die Bjuti hat immer das letzte Wort !
zuletzt bearbeitet 05.07.2009 11:50 | nach oben springen

#7

RE: Portrait - Das Monatsthema Juli 2009 - Theorie

in Monatsthemen der vergangenen Jahre plus beliebte Themen 05.07.2009 21:28
von admina | 165 Beiträge

Das Fotocommunity-Buch enthält ein ganz tolles Kapitel zur Portraitfotografie. Verfasser ist Herwig Beitsch.

Er definiert Portraitfotografie noch ein klein wenig anders und führt auch gleich noch die verschiedenen Gestaltungsmittel auf:

"Die Portraitfotografie ist eine vielseitige Ausdrucksform. Sie kann unterschiedliche Facetten eines Menschen zeigen: von einer persönlichen Sicht auf die Person bis hin zum Model als reine Projektionsfläche für Ideen. Portraitfotos können verschiedene Wirkungen, Emotionen und Phantasien beim Betrachter auslösen. Die Portraitfotografie bietet mit Lichtrichtung, Bildausschnitt, Perspektive, Farbtemperatur, Hintergrund, Schärfe, dem Einsatz von Accessoires etc. viele Mittel dafür."
Zitat aus Das Fotocommunity-Buch, S. 46

Daraus folgend werden mehrere Arten der Portraitfotografie abgeleitet:

- das natürliche Portrait, das wie der Name schon sagt, dahin zielt, einen Menschen auf natürliche Art zu porträtieren...

- das darstellende Portrait, mit welchem der Fotograf eine hervorstechende Eigenschaft, eine Fähigkeit des Menschen darstellen möchte

- das erotische Portrait, das muss man sicher nicht erklären...

- das erzählende Portrait, das eine kleine Geschichte erzählen soll und mehr von der Umgebung oder einer Situation um den Menschen herum einbezieht

und zuallerletzt, haltet euch fest:

- das Bjutiportrait!!! Muss man auch nicht erklären oder? ^^

Auf seiner Website findet ihr gute Beispiele für Portraits:
http://www.herwigb.com/main.php

Und was mich total beruhigte, er schrieb auch, dass zumindest für die Portraitfotografie die Frage nach Objektiv und Kamera keine so große Rolle spiele wie in den andren Genres der Fotografie. Man könne auch mit einfachsten Mitteln herausragende Portraits schaffen... ufffff


Die Dinge sind dazu da, dass man sie benutzt, um das Leben zu gewinnen, und nicht, dass man das Leben benutzt, um die Dinge zu gewinnen.
Laotse

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#8

RE: Portrait - Das Monatsthema Juli 2009 - Theorie

in Monatsthemen der vergangenen Jahre plus beliebte Themen 05.07.2009 22:51
von Beauty Miles | 5.681 Beiträge

Bjutiporträt !!!!

Na bitte, da sieht man wieder wie ich die Theorie schon durchdrungen habe

Solch ein Bjutiportät ist z.B. nebenan mein Profilpic.
(der Blick in die Ferne ist beabsichtigt )


Ob hier oder an nem andren Ort -
die Bjuti hat immer das letzte Wort !
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#9

RE: Portrait - Das Monatsthema Juli 2009 - Theorie

in Monatsthemen der vergangenen Jahre plus beliebte Themen 06.07.2009 13:30
von Sumy (gelöscht)
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Da hast du ja noch ein schönes Beispiel gefunden Tabea um um Portrais noch zu klassifizieren, nach dem Motiv.

Einige werden es sicher nicht mehr hören können aber auch beim Portrait spielt die Bildaufteilaufteilung eine grosse Rolle. Dabei lassen sich die Bildelemente im Gesicht oder am Körper finden. Ich habe euch dazu einmal ein paar Beispiele herausgesucht und aus Neugier die Rasta auch einmal über mein Bild gelegt.







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#10

RE: Portrait - Das Monatsthema Juli 2009 - Theorie

in Monatsthemen der vergangenen Jahre plus beliebte Themen 07.07.2009 18:37
von admina | 165 Beiträge

Da sind sie ja wieder die Gitter! Ja ich find sie wichtig. Warum soll ich ein schlechteres Bild machen, wenn ich mit geringem Aufwand ein besseres machen kann??? *streckt allen Gittergegnern die Zunge raus*


Die Dinge sind dazu da, dass man sie benutzt, um das Leben zu gewinnen, und nicht, dass man das Leben benutzt, um die Dinge zu gewinnen.
Laotse

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